Into the great wide open

Mancher kann nicht aus dem Fenster hinausdenken – Wilhelm Busch

Mit Siebenmeilenstiefeln geht es offenbar dieser Tage am Bootshaus voran. Große Haufen Bauschrotts türmen sich: Türen, Fensterrahmen, Interieur, Dämmung, „Sauerkrautplatten“, das edle Laminat im gefälschten Kirschholz- Look aus dem Vorstandsbüro…

Blickt man ins Fenster hinein, sieht man überall nur Abbruch.

Blick ins ehemalige Büro der Gaststätte, oben: offenes Fenster des ehemaligen Tabakskollegiums
Das gute Parkett!!

Auch die Putze sind innen weitgehend abgetragen und warten nun vor der Tür gut verpackt auf den Abtransport. Mit einem überraschenden Regenguss, der uns in einem Schicksalswink höherer Gewalt die Entsorgungskosten ersparen würde, ist wohl derzeit nicht zu rechnen.

Das ist andererseits auch gut, denn man kann bereits durch das Bootshaus hindurch schauen und auf der anderen Seite den Himmel sehen.

Das Welleternit, steter Quell des Ärgers, ist ab
Einer der letzten Blicke auf fast 75 Jahre Baugeschichte- aber auch Veränderung

So, wie das Haus von allen Seiten heute aussieht, sah es ja nicht immer aus. Aus dem kleinen Holzschuppen wurde eine kleine Betonhalle mit Flachdach, dann folgte ein Obergeschoss mit Terasse, bald wich die Terasse einer Verlängerung der Halle, erneut kam eine Terasse hinzu. Dann kam eine zweite Halle daneben, dann wurde die Krafthalle gebaut, bis dahin hatte man ohne Heizung und Sanitäranlagen in dem Gebäude auf dem heutigen Campingplatz trainiert. Nichts war also beständiger als der Wandel.

Taufe des grünen Einers, es könnte fast die „Moby Dick“ gewesen sein, die uns noch lange begleitet hat. Sie könnte heute noch schwimmen. (Bild: Heinz Morgen)

Auf dem Bild aus den 1970ern sieht man eine Taufe, links der ehemalige Vorsitzende Karl Grundheber. Schauen wir „aus dem Fenster“: Hinter der Mauer stand die alte Kokerei „Hansen, Neuerburg & Co GmbH“, heute Firma „Immelen“, auf dem Gelände der Taufe hatte sich die Bootswerft Boost befunden, links hinten dürfte das erste Haus in der Lambertistraße gewesen sein, damals eine verruchte Kneipe und erst vor Kurzem einem modernen Bau gewichen. So ändert sich das Viertel.

Der Firma Hansen- Neuerburg, später Mannesmann, gehörte übrigens auch das „weiß ‚aus“, das damals schwarz war und vermeintlich älter ist, als das Bootshaus. Haltet es also auf die letzten Meter in Ehren.

Selbst die „Trierer Kistenfabrik“ blieb nicht verschont, um einen kurzen Blick ins Umland zu werfen. Das markante Dach abgerissen, klafft dort nun eine Baulücke. nur das Hauptgebäude der ehemaligen „Trierer Eisengießerei und Maschinenfabrik, vormals August Feuerstein A.G., Trier/ Mosel“, in kurzer Folge dann zur Kistenfabrik geworden, bleibt als Kulturdenkmal bestehen.

Quelle: Dachziegelarchiv.de
Von der ehemaligen Kistenfabrik steht nur noch das Hauptgebäude (Quelle: Stadtarchiv Trier)

So weh es also tun mag, in Nostalgie zu schwelgen oder sich (natürlich nur heimlich) über die Erschwernisse des Ruderbetriebs aufzuregen…der Wandel ist stetig. „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“ oder wie heisst es?

Aber…HACH!

Du liebe, alte Ruine.

Der Nachteil des Himmels besteht darin, dass man die gewohnte Gesellschaft vermissen wird. – Mark Twain

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