Wege

„Dies alles sage ich, mit einem Ach darin, dereinst und irgendwo nach Jahr und Jahr und Jahr:
Im Wald, da war ein Weg, der Weg lief auseinander, und ich – ich schlug den einen ein, den weniger begangnen, und dieses war der ganze Unterschied. “ (Paul Celan nach Robert Frost: The road not taken)

Ein Donnerstag im Juli (Foto & Drohne: Hans Krämer)

Letzte Woche schien es noch, als stünde man an einer Gabelung, als sei die Entscheidung für den anderen Weg noch möglich. Dann schlug der Bagger unbarmherzig zu.

Gestern und heute hat sich diese Maschine einen Weg ins Innere gebahnt, steht auf zerdrückten Rohren und zerplatzten Steinen, legt sorgfältig Kabel zur Seite, verbogene Eisentäger (von denen es im „alten Teil“ erstaunlich viele gab) anderen, alles wird säuberlich zum Transport getrennt. Zudem erhöht sie sich mit dem Weg auf den Schuttberg selber, um so besser die nächsten Teile aus dem Gebäude reißen zu können- andere Teile muss man nur noch leicht schubsen, bis sie in großen Placken fallen.

Der Waschplatz müsste mal aufgeräumgt werden
Wir nähern uns den uns bekannten Teilen des Obergeschosses

Und wie man zusieht und sich erinnert, was hier und da mal war, beschleicht einen die Wehmut. 73 Jahre, mindestens, stand das Gebäude. Vieles wurde ge- und verbastelt, es hat gute und schlechte Zeiten gesehen, Feier und Sorge, es war mal voller und mal leerer (aber oft voller Lehrer).

Alles, was daran gebaut und gearbeitet wurde, geschah aus gutem Willen und Gemeinschaftssinn. Jede Generation hat mit Herzblut etwas hinterlassen. „Wir“ eine neue Beleuchtung und die Renovierung des 2. OG, aber vor Allem die Entschuldung und den Umbau des Bootsparks. Die Generation vor uns: Renovierung des Kranich, Bau der Krafthalle, davor: Bau der 2. Bootshalle etc. Dadurch entstand ein liebenswertes Zuhause mit Ecken und Kanten. Es ist ein bisschen, als würden die einfallenden Mauern dem wissenden Zuschauer das alles nochmal zurufen oder eher: mit Staub entgegenspucken. Trotzdem brachte uns all das auch an den Punkt, einmal das Basteln aufhören zu dürfen (und zu müssen) und zugleich die Schlagkraft für einen großen Wurf zu haben. Mithin: einen neuen Weg einschlagen zu können.

Morgen wird vermutlich der letzte Teil des Hauses fallen. Wer also nochmal leise „Tschüs“ sagen will…

Man soll sein Herz ja nicht an Dinge hängen. Wir sind ja auch nicht die Ersten, nicht mal in Trier, die ein neues Bootshaus bauen.

So schnell geht es dann…

…I took the one less traveled by, and that has made all the difference.

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Herrschaft der Maschinen

Es hat begonnen.

Man ist ein bisschen sprachlos.

Mauern, die uns stabil schienen, kippen wie Karton.

Wasser gegen den Staub.

Die Träger knicken wie Streichhölzer. Das lässt einen wirklich ein bisschen zweifeln.

Der Schutt muss noch zerkleinert werden.

„Freitag machen wir nur ein kleines Eckchen“ hat er gesagt…

Gut, dass wir in der Mitte das Loch reingemacht hatten.

Unsere „schweren“ Tore. Streichholzschachteln.

Das sind schon echte Profis: der Bagger arbeitet absolut akkurat. Könnte man den ganzen Tag zuschauen, wie ein kleiner Junge.

Im Zuge dessen kam ein lokales Gespann in fahrbaren Rollstühlen vorbei: „War einsturzgefährdet, musste weg!“ „Bauen die was Neues?“ „Keine Ahnung, soweit gehen meine Informationen nicht.“ Ob sie ihren Quellen trauen sollte? Oder ist es nur das eigentlich bewährte „Das-ist-doch-noch-gut-das-muss-doch-noch-nicht-weg“- Denken?

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Druck

Dass das Leben manche Überraschung für uns bereithält sollte keine Neuigkeit sein. Auch dieses Bauprojekt stellt da keine Ausnahme dar.

Wenn irgendwann der Bauleiter anklingelt und mitteilt, dass entweder am Folgetag um 12 Uhr „Medienfreiheit“ auf der Baustelle herrscht oder er die Maschinen erstmal auf die nächste Baustelle fährt, dann kommt ein gewisses Druckgefühl auf. Druck an der Halsschlagader, über die freundliche Art; Druck auf den Schläfen, wo man denn verdammt nochmal was vergessen hat; Druck am Handgelenk, wo die Uhr sitzt, die unbarmherzig weiter tickt.

Und in diesem Fall kommt Wasserdruck hinzu. Dass, bevor ein Haus abgetragen wird, alles was irgendwie strömt und fließt abgestellt werden muss, leuchtet ein- vermeintlich war dies mit der Trennung der Leitung an der Luxemburgerstraße durch unsere eigenen „Kräfte“ unter Führung von Seb Latz erledigt. Nun jedoch fanden sich im Ausguss der Bootshalle noch Wasserleitungen unter Druck.

Wo der Bagger nicht kann, muss doch nochmal die Hand ran.

Um die Freigabe für den nächsten Abschnitt nicht zu gefährden und eine Verzögerung von mehr als 2 Monaten zu vermeiden, fanden sich kurzfristig Seb Latz, Norbert Haag und Thomas Thielen samt Bagger ein, um nach dem flüssigen Medium zu suchen.

Die 3 lustigen 2

Nach einiger Suche wurde die erste Leitung mit dem Bagger gefunden, danach musste Seb leider ab ins Loch. Und das, einen Tag bevor Familie Latz in Urlaub fährt. Danke für den Einsatz! Die Bagger rollen.

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Leere

„Wie stehst du doch so dürr und kahl, die trocknen Adern leer, o Feigenbaum! Ein Totenkranz von Blättern fahl, hängt rasselnd um dich her. Wie Wellenschaum.“ Annette v. Droste- Hülshoff

Der erste Schritt „der Fremden“ ist vollbracht- also einer, den wir nicht mehr selber getätigt und damit die Zukunft endgültig in fremde Hände gelegt haben.

Über den äußeren Abriss hatten wir bereits berichtet, alle können ihn sehen.

So hässlich es war, so sehr fehlt es doch beim Hinblicken

Nun hat uns die das Umweltgeschehen überwachende Dame netterweise Bilder zur Verfügung gestellt… zudem ein nicht näher benannter Campingplatzbetreiber mit Schlapphut, der dringend noch eine Wasserleitung sucht, die- offensichtlich im Ineren gekappt- zu Unmut im Äußeren führt.

Wie beschrieben mussten zunächst die Putze entfernt werden, die wie üblich Asbest enthielten. Überhaupt enthielt irgendwie ziemlich viel Asbest.

Ich entsinne mich noch gut, im Jahre 2000 etwa, es müsste ein Freitag gewesen sein, ein sanfte Brise wehte über Mertsesdorf, es war wohl Juni, um die 25 Grad… da fuhren wir das undichte, asbestverseuchte Welleternit aus dem Dach der Damenumkleide auf die ART. Das war nötig, weil wie immer zu den klammsten aller Zeiten des Vereins irgendwo ein Loch sich auftat, das gestopft werden musste. Asbestentsorgung war noch garnicht so lange auf dem Programm und so waren wir mit unserem geliehenen Siebeneinhalbtonner- MAN- Kipper stolze Kapitäne unseres L2000, meine ich mich zu erinnern- er war rot, glaube ich; wir hatten noch Streit beim Verleiher, weil ich einen blauen FN- Hauber viel schöner fand, ich meine, der hatte sogar die große 10- Liter- Maschine verbaut, was aber damals mit dem getriebe immer Probleme gab.

Jedenfalls waren wir aber aber doch zweifelnd, das Zeugs loszuwerden- bis zum Waagehäuschen. Der Mann betrachtete die große Menge schädlichen Materials: „Wu hatter datta hea?“ „Vom Ruderverein“ „Wat fü’e Rude’verein? Wo den Kranisch damaols driiwaar?“ Ja“ „Mei Gott wat hammier lao damols gesoff! DAT ware noch Zeiten! Ei, da jeh, fahrter lao hinne, die Gass lao, ganz hinne, reschts“. Es gab also offensichtlich auch erfolgreiche Gastrozeiten „so weit draußen“, in Zeiten, als die Menschen noch richtig gesellig in Kneipen(schlägereien) gingen und ein kleines Aperölschen oder andere Abarten alkoholischen Wirkens auf der Terasse nur naserümpfend geduldete Randerscheinung war.

Nun, die Kneipe sieht nun so aus:

Dabei kennen viele „jüngere“ Mitglieder diese Räume nur als geschlossen. Nach den Corona- Lockdowns und den ganzen neuen Netflix- Abos fragt sich Manche und Mancher ohnehin: Was ist eine Kneipe? Nun: ein beengter Raum, anfangs gerne auch mit Rauchschwaden (irgendwann stellen wir das Fotoalbum wieder online) in dem gegessen, getrunken, getanzt, gelacht, gediskutiert und schließich auch immer wieder mal geknutscht wurde. Spätestens hier oben haben sich in jeder Generation Rudererpaare zusammengefunden, die heute Familien sind. Daher hätte das eigentlich eine ganz eigene Rubrik verdient.

Ohne die Trennwände kommt es einem viel größer vor…vielleicht sollten wir doch für die Zukunft nochmal an eine Kneipe denken? Auf dem ersten Bild sieht man noch den hintersten, den Clubraum, der fast seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt wurde- auch die Fensterrahmen hatten sich alle verzogen.

Im Clubraum fanden sich vorab noch verschiedene Preziosen, wie diese eingefasste Medaille- das allererste Raddadelchen der Treviris überhaupt. Gewonnen von der Mannschaft um Franz Schillings 1923, gestiftet von „Onkel Otto“ Ronde, Teil der Mannschaft, 1961. Quasi die Geburtsurkunde des erfolgreichen RVT- Rennsports.

„ES“ ist an geheimem Ort gesichert und wird dereinst emporsteigen und Weltengerechtigkeit bringen. Der grüne Stern wird zu größerem Glanze erhoben und die Prophezeiung sich erfüll…äh, wo war ich?
Ehemalige Küche mit Treppe zum Vorstandsbüro. Wo und warum waren da überall Türen??

Nun ist der Bock blank gemacht, nichts mehr zu hauen in den heiligen Hallen, nun kommt bald die Zeit der großen Maschinen.

Wir hatten mal Rundbögen in den Fenstern??

Auf obgem Bild sieht man sogar eine Ur- Wand der allerersten Halle, bzw. des Bootsschuppens der Reichsbahn- Kanuten, was die Halle vor dem Übergang an die Treviris mal war. Wer weiß, was das Gebäude vielleicht noch vor den Kanuten gewesen war? Die Fenster bieten Anlass zum Träumen.

„The Sky is the limit?“

Beim Anblick dieses Dachs müssen auch wir letzten Nostalgiker vor dem Hintergrund aktueller und zukünftiger Energiekrisen einsehen, dass wir uns irgendwann nur zwischen „Heizen oder Sportbetrieb“ entscheiden hätten können. Das neue Gebäude wird uns viel Spielraum geben.

Alle Bilder (bis auf die Küche, Norbert Haag) wurden uns zur Verfügung gestellt von Dipl. Geogr. Christine Gronz, ICP Ingenieurgesellschaft, Bitburg.

„Das Leben kann nur in der Schau nach rückwärts verstanden, aber nur in der Schau nach vorwärts gelebt werden.“ Sören Kiergkegaard

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Into the great wide open (II)

Weil es so schön war- und just neue „Ware“ vom Stadtarchiv eintraf…

Die Veränderungen der Stadt, des Viertels, der Luxemburgerstraße sind lokal nachzuvollziehen. Man bemerkt sie meistens nicht, wenn man täglich zum Verein fährt, aber in der Gesamtschau fällt auf: Stimmt! Da war doch mal was? Auch viele Kleingewerbe sind verschwunden, etwa die Druckerei Kowollik, die – einem verdienten Mitglied gehörend – jahrzehntelang die Drucksachen des Vereins verlegte.

Ausschnitt aus einer Ansicht des Stadtarchivs: Kasernen, im Hintergrund zentral das Bahnwerk, ganz im Westen die ehemalige Zeppelinhalle im Eurener Feld. Ganz links hinten dei Caspary- Brauerei.

Als Orientierungs- und gewissermaßen Kristallisationspunkt kann uns nur dienen, was immer schon da war (zumindest solange es Zeichnungen und Bilder gibt): der Fluss und „Mattheis“. Ehrwürdig thront Sankt Matthias auf der anderen Moselseite über allem. Dahinter schließt sich die Grafschaft an, „über der Schammatsmauer“, deren Grenze die „Weismark“ markierte. Man erkennt leicht die Baumgruppen des Mattheiser Weihers und erste Häuser. Diesseits gegenüber Mattheis jedoch weit und breit: Nichts. Das jenseitige städtische Ufer ist noch hell vom verbauten Sand: erst in den 1920er Jahren wurden die vielen durch die Wirtschaftskrise Arbeitslosen mehr oder weniger freiwillig in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen gesteckt: „Barbeln“ wurde geschleift und der Damm gebaut, ebenso wie zum Beispiel der Nürburgring und die Sportanlagen in Köln- Müngersdorf und Frankfurt. Das war nicht unbedingt weitsichtige Geschäftstüchtigkeit: das war akute Beschäftigungs- und Perspektivlosigkeit gepaart mit der Hoffnung auf bessere Zeiten. Der Treidelpfad war nicht wie heute ständig freigelegt, das Wasser stand viel höher, denn die Mosel war kaum schiffbar und viel flacher. Erst mit Stauhaltungen und Vertiefung ging der Wasserstand zurück: die Fließgeschwindigkeit erhöhte sich jedoch und die zunehmende Versiegelung von Flächen (man beachte nochmals die freie Fläche an der Zeppelinhalle) brachte uns gemeinsam mit lokalen Starkregen die Hochwasser, die wir heute kennen. Die Zeppelinhalle wurde erst in den späten 1920er Jahren abgebrochen, nachdem von hier aus im 1. Weltkrieg wirklich Luftschiffe in Richtung Westfront gestartet waren.

Bahnhof Trier West, offensichtlich sogar ein Bild vom Richtfest (Quelle: Stadtarchiv)

Ein großes Gebäude in der obigen Gesamtansicht war der Bahnhof Trier West in der Luxemburger Straße, Triers erster Bahnhof, „Trier links der Mosel“ genannt. Ein monumentales Gebäude wilhelminischer Anmut. Den Hauptbahnhof gab es noch nicht: hier endete die Strecke aus Metz- Saarbrücken- Luxemburg kommend. Wer nach Koblenz wollte, musste zu Fuß etwa zwei Kilometer nach Pallien, denn dort endete die Strecke, die aus dem „Kernreich“ kam – und umgekehrt. Erst spät in den 1890ern wurde die Pfalzeler Brücke gebaut, die den Verkehr zum heutigen Hauptbahnhof leitete. Das Bahnhofsgebäude Trier West beherbergte noch länger die Bahndirektion, stand am Ende aber leer und wurde offensichtlich auch im Krieg stark beschädigt und in der Folge abgerissen. Nichtsdestotrotz konnte in den ersten Tagen nach dem Fall Triers 1945 in den alten Hallen wieder Markt gehalten werden. Der alte Bahnsteig soll noch stehen, wohl etwa auf Höhe des heutigen Edeka- Parkplatzes. Welcher Projektentwickler, welche Architektin würde sich nicht heute über solch eine Chance freuen?

Bis zum Umzug nach dem zweiten Weltkrieg baute die Boostwerft Boost auf dem Gelände des heutigen Campingplatzes u.A. Fähren wie die auf dem Bild. Im Hintergrund ist erneut St. Matthias zu erkennen. Dass der damalige Vorstand sich vehement um die Zupacht und später den Kauf des Campinggeländes kümmerte, hat dem Verein nicht nur einmal das Leben gerettet. Wenn Spender wegfielen oder Zwistigkeiten wohlhabende Gönner davontrieben, konnte doch zumindest der Platz eine minimale wirtschaftliche Sicherheit bieten. Stellt man sich zudem vor, wie die Ufer an anderen Stellen zugebaut sind, ist es fast ein Glück für den Stadtteil, dass hier ein Stück grüne Freifläche geblieben ist.

Dabei sah es um 1900 hier noch ganz anders aus, wie ein Lagerplatz der Kohlenhandlung Hansen & Neuerburg zeigt. Wie auch die Gründer der Treviris damals ihr erstes Boot auf einer Kohlenhalde im Bereich neben dem Hotel Römerbrücke angespült fanden, lagerte im Bereich des heutigen Bootshauses oder des „Weißen Hauses“ Brennmaterial aller Art. Gut möglich, dass es sich bei dem Weg, der vermeintlich hinter der Grundstücksmauer verläuft, um den heutigen Weg am Bootshaus vorbei handelt.

Im Hintergrund erneut St. Matthias, in der Mosel schwimmend nicht etwa die „Barbelner Fähre“, die dort jedoch auch gewesen sein muss, sondern ein Flussschwimmbad, damals heissester (S)Hit, Umkleidekabinen & Gastronomie auf dem Wasser schwimmend, in der Mitte ein Bassin in der Mosel. Warum eigentlich nicht heute nochmal?

Nicht nur das Rudern und Wanderrudern, der Wassersport und der Wasserwandersport hatten damals insgesamt große Zeiten. Auch Kanufahren, Kanuwandern oder einfach Paddeln, ebenso wie Flussschwimmen, waren en vogue. Viele Treviris- Ruderer waren zudem auch Besitzer von Kanus mit denen sie Zelt- Touren machten. Meist mit den Freunden, die nicht rudern konnten, denn paddeln konnte irgendwann jeder… So gab es nicht am heutigen Wendepunkt kurz oberhalb der Römerbrücke ein bekanntes Kanuheim von Hans Dornoff und Frau, die es sogar in das engliche Erlebnisbuch „Kingfisher Abroad“ von Tean und Tommy Rising ( 1937/38) schafften.

Dornoff war nicht unumstritten. Zum einen hatte er in Trier und Weimar Malerei studiert und viele seiner Motive fand er am Paddler- Bootshaus oder auf Moseltouren, seine Malerei war besonders von Cézanne und dem französischen Impressionismus beeinflusst. Zum anderen jedoch stellte er auch im 3. Reich viel aus und war am Ende Leiter des Kunsthauses Luxemburg, was ihm bis zum Tode 1972 Kritik einbrachte. Nach dem Krieg eröffnete er ein neues Kanuheim in der Martinsmühle. Auf der Pferdeinsel hatte es bereits vor dem Krieg Zeltplätze gegeben. Die Martinsmühle wurde 1963 abgerissen, um dem wachsenden Straßenverkehr Rechnung zu tragen. Nun stelle man sich nur vor, es hätte schon immer mehr und zuverlässigen ÖPNV gegeben und die Martinsmühle stünde noch…

Quellen: Internet/ „Trier: Stadt am Fluss“

Neben dem alten RVT- Boothaus waren aber wohl auch einmal die Paddler der Bahn eingezogen.

Friedrich Eduard Keller, Herausgeber vieler Gewässerwanderführer, schrieb 1922 (jedoch basierend auf einer Bereisung 1914) unter Anderem: „Da unter den heutigen Verhältnissen eine Fahrt nur von Trier aus in Betracht gezogen werden kann, so lassen wir auch hier unsere Fahrt beginnen. Da das grüne Moselwasser sehr schmutzig (ist) und viele pflanzliche und tierische Absonderungen enthält, so empfiehlt es sich, täglich das Boot abzuwaschen.“ Schon Oskar Rupertis „Führer für Wanderruderer“ (1910) warnt: „Im Sommer verkrautet die Mosel ziemlich stark.“(Quellen: Faltboot.org)

Manche Dinge ändern sich doch nicht.

Bild der US- Luftwaffe ca. 1946/47, teils sind noch abgedeckte Dächer zu erkennen. Beachte den Wasserstand (Quelle: Stadtarchiv)

Leider fiel es den nationalsozialistischen Jugendorganisationen hier bald darauf leicht, auf vorhandene Interessen und auch Infrastruktur aufzusatteln. Alles, was einmal bunt und lustig war, wurde braun. Das Ende ist bekannt.

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Into the great wide open

Mancher kann nicht aus dem Fenster hinausdenken – Wilhelm Busch

Mit Siebenmeilenstiefeln geht es offenbar dieser Tage am Bootshaus voran. Große Haufen Bauschrotts türmen sich: Türen, Fensterrahmen, Interieur, Dämmung, „Sauerkrautplatten“, das edle Laminat im gefälschten Kirschholz- Look aus dem Vorstandsbüro…

Blickt man ins Fenster hinein, sieht man überall nur Abbruch.

Blick ins ehemalige Büro der Gaststätte, oben: offenes Fenster des ehemaligen Tabakskollegiums
Das gute Parkett!!

Auch die Putze sind innen weitgehend abgetragen und warten nun vor der Tür gut verpackt auf den Abtransport. Mit einem überraschenden Regenguss, der uns in einem Schicksalswink höherer Gewalt die Entsorgungskosten ersparen würde, ist wohl derzeit nicht zu rechnen.

Das ist andererseits auch gut, denn man kann bereits durch das Bootshaus hindurch schauen und auf der anderen Seite den Himmel sehen.

Das Welleternit, steter Quell des Ärgers, ist ab
Einer der letzten Blicke auf fast 75 Jahre Baugeschichte- aber auch Veränderung

So, wie das Haus von allen Seiten heute aussieht, sah es ja nicht immer aus. Aus dem kleinen Holzschuppen wurde eine kleine Betonhalle mit Flachdach, dann folgte ein Obergeschoss mit Terasse, bald wich die Terasse einer Verlängerung der Halle, erneut kam eine Terasse hinzu. Dann kam eine zweite Halle daneben, dann wurde die Krafthalle gebaut, bis dahin hatte man ohne Heizung und Sanitäranlagen in dem Gebäude auf dem heutigen Campingplatz trainiert. Nichts war also beständiger als der Wandel.

Taufe des grünen Einers, es könnte fast die „Moby Dick“ gewesen sein, die uns noch lange begleitet hat. Sie könnte heute noch schwimmen. (Bild: Heinz Morgen)

Auf dem Bild aus den 1970ern sieht man eine Taufe, links der ehemalige Vorsitzende Karl Grundheber. Schauen wir „aus dem Fenster“: Hinter der Mauer stand die alte Kokerei „Hansen, Neuerburg & Co GmbH“, heute Firma „Immelen“, auf dem Gelände der Taufe hatte sich die Bootswerft Boost befunden, links hinten dürfte das erste Haus in der Lambertistraße gewesen sein, damals eine verruchte Kneipe und erst vor Kurzem einem modernen Bau gewichen. So ändert sich das Viertel.

Der Firma Hansen- Neuerburg, später Mannesmann, gehörte übrigens auch das „weiß ‚aus“, das damals schwarz war und vermeintlich älter ist, als das Bootshaus. Haltet es also auf die letzten Meter in Ehren.

Selbst die „Trierer Kistenfabrik“ blieb nicht verschont, um einen kurzen Blick ins Umland zu werfen. Das markante Dach abgerissen, klafft dort nun eine Baulücke. nur das Hauptgebäude der ehemaligen „Trierer Eisengießerei und Maschinenfabrik, vormals August Feuerstein A.G., Trier/ Mosel“, in kurzer Folge dann zur Kistenfabrik geworden, bleibt als Kulturdenkmal bestehen.

Quelle: Dachziegelarchiv.de
Von der ehemaligen Kistenfabrik steht nur noch das Hauptgebäude (Quelle: Stadtarchiv Trier)

So weh es also tun mag, in Nostalgie zu schwelgen oder sich (natürlich nur heimlich) über die Erschwernisse des Ruderbetriebs aufzuregen…der Wandel ist stetig. „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“ oder wie heisst es?

Aber…HACH!

Du liebe, alte Ruine.

Der Nachteil des Himmels besteht darin, dass man die gewohnte Gesellschaft vermissen wird. – Mark Twain

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Staubland

Staub und Schatten sind wir – Horaz

Derzeit schreiten die Dinge schnell voran am Bootshaus. Die Baustelle wurde eröffnet, uns der Zutritt verwehrt und die Durchgangstür zur Krafthalle abgedichtet – zudem alle Tore verriegelt und verrammelt. Ausgeschlossen im eigenen Hause.

Dabei ist das Innere derzeit sowieso kein heimeliger Ort mehr, denn es werden die Putze abgetragen, die zum guten Teil noch asbesthaltig waren. Daher werden bei Arbeiten die Hallen abgedichtet und eine Absaugung eingeschaltet. Nur der Sänger der Vereinsband hat bei der Abrissparty samt Wandloch kräftig in den Staub hineingeröhrt. Es braucht seine Zeit, bis der Putz von den Wänden beziehungsweise der Schmäh auf den Stimmbändern wieder drauf ist.

Giftiger Staub schwebt umher

Auch außen gibt es sichtbare Veränderungen, bei denen der große Manitou den Arm im Spiel hat. Unter Sicherung wurden die Laubendächer der Dachterasse abgetragen- diese sind erst in den 90ern montiert worden und wurden seitens der Kneipe nie wirklich genutzt. Trotzdem ist es ein komisches Bild, weil sie – obwohl nicht besonders schmuck – dem Bootshaus eine eigene Prägung gaben.

Kahle Dächer

Wie gefräßige Geister fressen sich also die Maschinen derzeit durch die Innereien- die Menge an herausgeschlagenen Kacheln etc. lässt den Zustand im Obergeschoss nur erahnen- allerdings war hier zuvor ebenfalls das Dach in en Gastrotoiletten undicht etc. – insgesamt also ein Grund für Nostalgie aber nicht für Trauer.

„Er lachte und sagte mir, er glaube nicht an den Himmel oder an die Hölle, nur an Staub über Staub“- Truman Capote

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Offene Türen einrennen…

„Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann“- Jean Paul

Nun hat es also begonnen, das Unausweichliche, das Unumkehrbare. Mancher hätte vielleicht diesen Zeitpunkt schon vor ein paar Wochen gesetzt- jetzt aber ist es unübersehbar. Das Paradies ist „geschlossen“.

Ein Bauzaun deutet an, dass hier gearbeitet wird- und er bedeutet auch ganz ernstlich und profan, dass wir gebeten werden, die Baustelle nicht einfach zu betreten oder uns in besonders unaufschiebbaren Fällen anzumelden.

Er bedeutet auch, dass nun schlussendlich unwiderbringlich fremde Menschen ihr zerstörersiches Werk begonnen haben. Das mag für Jüngere etwas lästig sein- Ältere natürlich, die hier schon viel erlebt oder gar daran mitgebaut haben, erfüllt es zurecht etwas mit Wehmut. Jedoch soll man sein Herz ja nicht an Dinge hängen. Schnüff.

Also gilt es ab jetzt… die neue Tür zur Krafthalle ist gesetzt. Wir schauen noch, wie wir das mit der Schlüsselordnung machen. Dies ist für die nächste Zeit der neue Eingang, fließend Wasser gibt es drinnen ebenfalls.

„Der Veränderung die Tür schließen hieße, das Leben selber aussperren“ – Walt Whitman

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Ansichtskarte aus Lala- Land

Ich habe mich immer darüber gewundert, dass alle am Leben geblieben sind. (Fjodor M. Dostojewski)

Das Zitat stammt nicht aus Fjodors Werken „Aufzeichnungen aus dem Kellerloch“ und auch nicht aus „Aufzeichnungen aus einem toten Hause“, die sich angeboten hätten. Aber „Dämonen“ passt irgendwie auch gleich mehrfach.

Wer sich dieser Tage einem kreischenden Geräusch folgend in die (vielen Menschen unbekannten) Eingeweide des Bootshauses traut, denkt ängstlich an ein schlackespuckendes Mahlwerk, in dem riesenhafte, mit Muskeln bepackte „Zweiaugen“ neue Zahnräder für die große Weltuhr schmieden. Aber nein: es ist „Lala- Land“. Dort sind die Herren Latz und Lamberti fleißig dabei, Kupferrohre zu zerschneiden und transportgerecht zu lagern sowie Stahlschrott etc. herauszulösen. Wie die Elfen schweben sie dabei im gleißenden Sonnenlicht umher- ihre Füßlein wirbeln kaum den Staub auf, der sich über Jahrtausende in dieser Ödnis gesammelt hat- bester Laune, etwas kaputtmachen zu dürfen. So schneiden sie hier, trennen dort, biegen um, werfen weg, trinken Stubbi- alles mit einer Behändigkeit, die Ihresgleichen sucht und auf eine jahrzehntelange Zerstörerhistorie schließen lässt.

Es kommt der Tag, da will die Säge sägen.

Dabei fällt zum einen Stahlschrott an, zum anderen eben auch Kupferrohr, das bekanntlich dringend benötigt und zugunsten des Vereins gewinnbringend veräußert wird.

Zudem eröffnen sich selbst dem architektonisch nur laienhaft Veranlagten immer wieder Geheimnisse der Baugeschichte des Bootshauses, die offensichtlich auch von Ideen verschiedener Epochen und Generationen geprägt war. Währen die erste Bootshalle am Durchgang zu den heutigen Umkleiden endete, kam endlich nach dem Anbau der zweiten Halle an deren Kopfende eine Damenumkleide hinzu- vorher hatte, oft kolportiert, nie bewiesen- der Werkraum als gemeinsame (gleichzeitige?) Umkleide und Dusche fungiert. Damit nicht genug, ist die Bimssteinmauer am Kopfende des Heizungsraums ein zugemauertes Garagentor. Eine Garage also- mit einem Durchgang nach wohin? Richtig- in die Damenumkleide. Dort lagerte zuletzt Sperrmüll aus 7 Jahrzehnten mehr oder weniger erfolglosem Kneipenbetrieb.

In der nächsten Woche dann soll abschnittsweise der Abbruch beginnen. Die Besprechungen mit dem sehr agilen Unternehmer sollen ein Highlight sein, jedoch jeder und jedem, die bzw. der irgendwie auf Regeltreue und Nachweispflicht pocht, feuchte Handflächen verschaffen, insbesondere den beiden betrauten Ingenieurinnen. Denn einfach Abbrechen ist nicht: es müssen schädliche Putze etc. natürlich gesondert herausgelöst und irgendwo verklapp… äh entsorgt werden. Erst wenn der Nachweis darüber erfolgt ist, kann es weitergehen.

Bis dahin ist den Lalas Dank zu sagen, für ihren uneitlen, selbstlosen Einsatz. Hoffen wir, dass alle Finger der Innenhand dranbleiben, das Boot muss ja stehen. Ziehen tun eh die Anderen.

„Es kommt im ganzen Leben nur darauf an, sich selbst an zweite Stelle zu setzen“. (Iwan Turgenjew)

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Abrissparty durchschlagender Erfolg

Am Samstag den 11.06. fand sie nun statt- die Abrissparty, die noch einmal viele zusammenbrachte, die dem Bootshaus Adieu sagen wollten- und jenen, die an der Zukunft in irgendeiner Form beteiligt sind.

Es war mal wieder spät, als die letzten gejagten Seelen sich vom Boothaus aufmachten. Nicht so spät bzw. früh vielleicht wie ehedem, bevor uns das Haar versilberte- aber doch so, dass man von einer zünftigen Feier sprechen konnte. Zudem zogen manche noch weiter auf’s Altstadtfest. Allein: die Frage ist, ob sie dort noch etwas gehört haben, nachdem die Mörtal Mice ihnen so richtig das Trommelfell massiert hatten mit ihrem selbsteingestellten Sound und der grandiosen Akkustik einer röhrenartigen, stahlbewehrten Bootshalle.

Etwa 20 Stücke der etwas rockigeren Gangart hatte die Truppe drauf, samt heiserem Sänger, gerissener Saiten und fehlender zweiter Gitarre. Kein Feuerwerk für den Recall von DSDS, aber mit entsprechender Verve zum Vortrag gebracht. Marte bedankte sich tatsächlich beim Abschied für „das Ständchen“ und ließ irritierte Gesichter zurück. Zum punkigen Abschluss kam Mona endlich die rettende Idee: ein Vorschlaghammer. Immerhin war ja Abriss angesagt.

Unser gutes Bootshaus erwies sich- wie sollte es anders sein- als zäh. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, denn zum sind wir stolz darüber, dass es so ist, wie es ist- zum anderen wollen wir es ja abreißen, wobei Zähigkeit ein so ganz und gar unbrauchbares Attribut ist. Aber so kann man es in Erinnerung behalten: über Jahrzehnte gewachsen und abgehärtet durch Generationen wilder Treverer. Wenn wir wüssten, was diese Wände alles gesehen haben…

Hoffen wir, dass es sich nicht noch wehrt beim Abriss, so dass wir bei soviel Kampfgeist gerührt unsere Pläne einstellen müssten.

Es war also gleich in mehracher Hinsicht „Hard Rock“- auch Ruderfreunde aus anderen Vereinen nehmen diese Geschichten als „echte Treviris- Geschichten“ wahr.

Nun klafft also ein Loch in der vorderen Böckewand. Auch das eine typische Treverer- Idee: ein sternförmiges Loch. Ohne Rücksicht auf das dahinter stehende Motorboot und den Wäscheständer oder den Arbeitsschutz hineingeschlagen von starken Frauen und schönen Männern.

So steht das Haus nun da. Leer.

Schon traurig, irgendwie.

Bilder: Christian Sirsch/ Philipp Münchmeyer

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